• Alia Slater

PD Dr. Roger Fayet im Interview mit dem Fachverein

Aktualisiert: 5. Sept.


Was ist ihre Aufgabe bei uns am Kunsthistorischen Institut? Wie lange arbeiten Sie schon hier?


Am Kunsthistorischen Institut unterrichte ich seit 2017 als Privatdozent, betreue Arbeiten und nehme gewisse Aufgaben als Standesvertreter der Fortgeschrittenen Forschenden und Lehrenden wahr. Meine Hauptaufgabe besteht aber seit 2010 in der Leitung des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft SIK-ISEA, das ebenfalls hier in Zürich domiziliert ist. Meine erste Stelle am KHIST hatte ich übrigens während des Studiums als studentische Hilfskraft im Sekretariat. Gewisse Professoren haben damals ihre Briefe noch per Diktaphon diktiert. Ich glaube, ich habe damals einiges darüber gelernt, was man in einem „Geschäftsbrief“ alles zum Ausdruck bringen kann.

Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spass, was ist für Sie das schönste an unserem Institut?


Gotthard Jedlicka, der von 1935 bis 1965 am KHIST unterrichtete und mit dessen Arbeiten ich mich derzeit u.a. beschäftige, schrieb davon, dass er lehrend nie auslerne. Das ist für mich das Schönste an unserem Beruf: Wir lernen, entdecken Neues und verstehen Dinge anders im Dialog mit den Studierenden und den Kolleginnen und Kollegen. Das ist auch etwas, was ich bei meiner Arbeit im SIK als grosses Glück empfinde.

Welches Kunstwerk sollte man kennen, Ihrer Meinung nach? Wieso?


Eigentlich finde ich ja, dass man gar nichts kennen muss – denn sonst müsste man unfassbar viel kennen. Aber wenn die Frage auf ein Kunstwerk zielt, das mir viel bedeutet: Ich glaube, bei der Auseinandersetzung mit Antoine Watteaus „Le pèlerinage à l’île de Cythère“ (1717, Louvre) habe ich zum ersten Mal erlebt, welche innere Erregung wissenschaftliches Denken auslösen kann. Eine zentrale Rolle hat dabei sicher der bahnbrechende Aufsatz von Michael Levey gespielt (The Real Theme of Watteau’s Embarkation for Cythera, Burlington Magazine, 103/698, 1961), weil mir dabei klar wurde, wie eine an sich einfache Frage – handelt es sich wirklich um einen Aufbruch nach Kythera oder nicht vielmehr um eine Abfahrt von der Liebesinsel? – einen Erkenntnisprozess in Gang setzen kann, der ganz vieles an diesem Bild neu sehen und verstehen lässt und der es mit einem Mal unglaublich wichtig werden lässt.



Antoine Watteau, L’Embarquement pour Cythere, 1717, Louvre

Haben Sie ein Geheimtipp in Zürich für Studierende?


Geheim ist der Tipp nicht gerade, aber allen, die während des Sommers hier sind, lege ich ans Herz, im Zürichsee zu schwimmen. Am besten in einer Badi, damit man sich nach dem kühlen Wasser aufs Floss legen kann, auf die warmen, aber nicht heissen Holzbretter, und sich mit blinzelnden Augen von den Wellen leise schaukeln lassen kann, während die Stadt und alles weitere Leben in eine unaufdringliche Halbdistanz rückt.



Wenn Sie morgen mit unlimitierten Ressourcen eine (Kunst-)Reise unternehmen könnten, wo würde es hingehen?



Ich hatte das Glück, schon einige Reisen unternehmen zu dürfen, u.a. auch nach Südamerika, China und Russland – aber ich war noch nie in Griechenland. Ausgerechnet! Als Kunsthistoriker! Wenn ich könnte, dann würde ich mir ein paar Monate Zeit nehmen und kreuz und quer durch Griechenland reisen und jene mythischen Gegenden und Bauwerke besuchen, die ich nur aus der Literatur kenne.



Wenn Sie eine berühmte Persönlichkeit – egal ob lebendig oder tot – treffen dürften: Wer wäre es und warum?


Was mich immer wieder von neuem fasziniert, ist die ungeheure intellektuelle Intensität während der Zeit der Aufklärung und der Klassik in Weimar und Umgebung. Gerne würde ich für ein paar Tage im Kreis jener Frauen und Männer verkehren, die so viel Neues gedacht und gelebt haben. Wie wäre das wohl? Wie gut würden wir uns verstehen können?

Und last but not least, man kennt es als klassische Studi-Ernährung: Lieblingspizza?


Also da gibt es diese Pizza (im Restaurant Miracle an der Fröhlichstrasse in Zürich) mit Rucola, frischen Feigen, gehobelten Parmesan, Parmaschinken und Akazienhonig – die hat mich damals umgehauen! Aber ehrlich gesagt, die Pizza, auf die ich mich jeweils am meisten freue, ist die, die ich irgendwo ganz gemütlich im Kreis meiner Familie oder mit Freunden esse, egal was auf der Pizza liegt.

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